
Eine der schwierigsten Aufgaben im Führungsalltag ist es, Kritikgespräche zu führen. Als Vorgesetzter Fehlverhalten zu kritisieren und Probleme anzusprechen ist unangenehm und kann je nach Situation und Gesprächspartner auch schnell zum Drahtseilakt werden. Denn eine Konfrontation kann verletzen und demotivieren, wenn sie unklar, zu spät oder im falschen Ton geführt wird. Genau deshalb ist es wichtig, solche Gespräche nicht „zwischen Tür und Angel“ zu führen, sondern diese sorgfältig vorzubereiten.
Aber warum ist es so wichtig, Kritikgespräche zu führen? Was sind berechtigte Anlässe und in welchem Rahmen und zu welcher Zeit sollte ich ein solches Gespräch einplanen? In diesem Blogartikel erfahren Sie alles rund um kritische Mitarbeitergespräche und erhalten wertvolle Formulierungsbeispiele und No Gos.

„Eine Möglichkeit, Mitarbeiter*innen stärker an das Unternehmen zu binden und auch in der Weiterbildung zu unterstützen, besteht in der Ausgestaltung von konstruktivem Feedback“ (Genkova & Gassel, 2024)
Die Aufgabe von Führungskräften ist es dafür zu sorgen, dass die Unternehmensziele erreicht werden. Dafür müssen Mitarbeitende motiviert sein und ihre Leistung zuverlässig erbringen. Doch nicht immer läuft alles reibungslos: Fehler passieren, und gelegentlich entstehen Konflikte oder Probleme, die die Arbeitsqualität beeinflussen, das Erreichen von Zielen gefährden oder die Arbeitsatmosphäre im Team beeinträchtigen.
Ein Kritikgespräch zu führen hilft dabei, solche Themen zu klären und Konflikte zu lösen. Es handelt sich dabei um ein vertrauliches Gespräch zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter, in dem Fehlverhalten, Leistungsprobleme oder eine belastende Zusammenarbeit angesprochen wird.
Kritikgespräche führen verfolgt mehrere Ziele – je nach Anlass stehen unterschiedliche Aspekte im Vordergrund:

Ob Widerstand, Emotionen oder heikle Themen: Mit der richtigen Gesprächsführung bleiben Sie klar und respektvoll. Entdecken Sie unsere Kommunikationsseminare und stärken Sie Ihre Wirkung in herausfordernden Situationen.
Ein Kritikgespräch ist immer dann sinnvoll, wenn ein Thema nicht mehr mit einem kurzen Hinweis erledigt ist, sondern sich wiederholt, Auswirkungen auf andere hat oder die vereinbarten Standards klar verfehlt werden. Typische Anlässe sind:
Kritikgespräche führen Sie am besten an einem neutralen Ort, an dem Sie ungestört sind. Für das Vier-Augen-Gespräch bietet sich beispielsweise ein ruhiger Besprechungsraum an. Achten Sie darauf, dass Sie während des Gesprächs nicht unterbrochen werden. Stellen Sie Ihr Telefon stumm und lassen Sie keine Störungen durch Nachrichten oder hineinschneiende Personen zu. Bemühen Sie sich außerdem, dass die Sitzsituation möglichst auf Augenhöhe ist. So vermeiden Sie unnötigen Druck und fördern einen ebenbürtigen Austausch.
Der ideale Zeitpunkt, um ein Kritikgespräch zu führen, ist zeitnah, sobald ein Problem erkennbar wird oder nach einem aktuellen Vorfall. Wenn Sie zu lange warten, wirkt Kritik schnell wie aufgestauter Ärger. Wichtig ist jedoch, dass Sie auch nicht im Affekt handeln. Wenn Sie zu spontan reagieren, steigt das Risiko für einen unangemessenen Ton. Planen Sie außerdem genug Zeit ein und vermeiden Sie ungünstige Momente wie kurz vor Feierabend, zwischen Terminen oder direkt nach einer stressigen Situation. Der beste Zeitpunkt ist dann, wenn Sie das Thema konkret benennen können, innerlich ruhig sind und Raum für eine Lösung und klare Vereinbarungen haben.

Missverständnisse und Unklarheiten kosten Zeit und Energie – klare Kommunikation spart beides. Unsere Kommunikationsseminare helfen Ihnen, Botschaften präzise zu formulieren und Gespräche zielorientiert zu steuern.
Ein Kritikgespräch führen Sie dann am besten, wenn Sie es klar strukturieren: So bleiben Sie sachlich, geben Ihrem Gegenüber Orientierung und führen das Gespräch zu einem Ergebnis, das wirklich weiterhilft. Die folgenden sieben Phasen haben sich in der Praxis bewährt.

Starten Sie freundlich, ruhig und professionell. Schaffen Sie eine respektvolle Gesprächsatmosphäre und benennen Sie kurz den Sachverhalt: Worum geht es und welches Ziel hat das Gespräch? Vermeiden Sie langen Smalltalk. Ein klarer Einstieg senkt die Abwehr und erleichtert einen zielführenden Verlauf.
Äußern Sie Ihre Kritik direkt und nachvollziehbar. Beschreiben Sie beobachtbares Verhalten anhand von Beispielen und erklären Sie die Auswirkungen. Formulieren Sie Ihre Botschaft sachlich, ohne Vorwürfe oder Verallgemeinerungen. Es geht beim Führen von Konfliktgesprächen nicht darum, Schuld zuzuweisen, sondern Anliegen zu klären.

Geben Sie Ihrem Gegenüber Raum, die eigene Sichtweise zu schildern. Mit offenen Fragen und aktivem Zuhören klären Sie Unklarheiten und vergewissern sich, den Standpunkt Ihres Kollegen oder Ihrer Kollegin zu verstehen. So erkennen Sie, ob Ursachen in fehlenden Informationen, Überlastung, Missverständnissen oder tatsächlich im Verhalten liegen.
Wenn Sie ein Kritikgespräch führen, sollten Sie das Gesagte gemeinsam einordnen: Welche Punkte sind bestätigt, welche Missverständnisse wurden aufgeklärt und was ist aus Unternehmenssicht nicht akzeptabel? Formulieren Sie Ihre Erwartungen klar und verbindlich.

Konkretisieren Sie, welches Verhalten bzw. welche Leistung Sie künftig erwarten. Kommunizieren Sie Lösungsvorschläge und legen gemeinsam Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Fristen fest – idealerweise so, dass Fortschritt messbar wird. Bieten Sie mögliche Unterstützung an und teilen Sie mit, wie Sie die Umsetzung nachhalten.
Wenn Sie ein Kritikgespräch führen, ist es wichtig, am Ende die wichtigsten Punkte zusammenzufassen. Beenden Sie das Gespräch immer mit einem verbindlichen Verbleiben. Vereinbaren Sie darüber hinaus bereits einen Folgetermin, um Verbesserungen nachzuvollziehen.
Ohne Nachverfolgung bleibt ein Konfliktgespräch oft wirkungslos. Prüfen Sie daher im vereinbarten Zeitraum, ob die Maßnahmen greifen und ob die Veränderung sichtbar wird. Geben Sie Rückmeldung – sowohl bei Fortschritt (anerkennen) als auch bei ausbleibender Verbesserung (erneut klären, nächste Schritte definieren). Kontinuität sorgt dafür, dass aus dem Feedbackgespräch tatsächlich eine nachhaltige Veränderung wird.

Sie möchten Kritik klar ansprechen, ohne die Beziehungsebene zu belasten? In unseren Seminaren trainieren Sie typische Gesprächssituationen, erhalten Feedback und bauen Schritt für Schritt Routine auf.

Kritikgespräche führen kann gelernt werden. In den Seminaren der Dr. G. Kitzmann Akademie lernen Sie, Kritikgespräche strukturiert vorzubereiten, klar zu führen und verbindlich abzuschließen. In einem praxisnahen Umfeld erhalten Sie praktische Gesprächsleitfäden, Formulierungen und Übungen und können diese direkt austesten. Durch Feedback und Rollenspiele gewinnen Sie Sicherheit für den Führungsalltag.
Wenn Sie ein Konfliktgespräch führen, ist ein guter Einstieg mehr als nur eine freundliche Begrüßung. Er ist wertschätzend, klar und lösungsorientiert. Vermeiden Sie jedoch zu lange Vorreden und kommen Sie zügig auf den Punkt. Diese Formulierungen helfen Ihnen dabei:
Kritikgespräche zu führen, sind kein angenehmer, aber ein wichtiger Teil guter Leitung. Entscheidend ist, dass Sie Kritik nicht spontan oder im Affekt äußern, sondern strukturiert und lösungsorientiert vorgehen. Wenn Sie Beispiele benennen, Ihrem Gegenüber Raum zur Stellungnahme geben und am Ende klare Vereinbarungen treffen, erreichen Sie eher Einsicht – ohne die Motivation oder die Basis der Zusammenarbeit zu beschädigen.
Den größten Effekt erzielen Sie, wenn Sie nach dem Führen eines Konfliktgesprächs konsequent nachfassen: Verbindliche Ziele, ein Follow-up und ehrliches Feedback zu Fortschritten sorgen dafür, dass sich Verhalten nachhaltig verbessert und künftige Fehler vermieden werden.

Dann lohnt sich gezieltes Training: In unseren Seminaren üben Sie zielorientierte Kritikgespräche zu führen – praxisnah und mit direktem Feedback. So wird aus Theorie Routine und aus einem unangenehmen Pflichttermin ein souverän geführtes Gespräch mit klarer Wirkung.
Wie lange Sie ein Kritikgespräch führen sollten, ist sehr individuell. In der Regel sind 30 bis 60 Minuten jedoch ein guter Rahmen. Planen Sie lieber etwas mehr Zeit ein, damit keine Hektik entsteht.
In den meisten Fällen ist eine kurze Ankündigung sinnvoll. So kann sich Ihr Gesprächspartner mental darauf einstellen und das Gespräch wirkt nicht wie ein Überfall.
Wenn Sie ein Kritikgespräch führen und Ihr Gegenüber abstreitet, ist es wichtig, ruhig zu bleiben und Fakten klarzustellen. Prüfen Sie, ob es Missverständnisse oder fehlende Informationen gab. Diskutieren Sie nicht auf der Gefühlsebene, sondern klären Sie, welche Verhaltensweisen künftig erwartet werden. Kommt es zur Eskalation können Sie notfalls auch eine neutrale Begleitperson z.B. aus der Personalabteilung hinzuziehen.
Feedback kann kurz und situativ sein und umfasst auch positive Rückmeldungen. Ein Kritikgespräch zu führen ist formeller und erfordert Struktur. Es wird geführt, wenn ein Thema wiederholt auftritt, deutlich relevant ist oder verbindliche Änderungen nötig sind.